Gemeinde in Kontakt: Wen können wir schicken? Jolanta Baron-Borys undGabriele Hüffmeier (v.l.) suchen einen ehrenamtlichen Mitarbeiter für eine Anfrage.



Menschen bieten Hilfe an, Menschen suchen Hilfe

Es ist Donnerstagvormittag. Das Telefon läutet im Gemeindebüro der Martini-Gemeinde Gadderbaum am Pellaweg. Jolanta Baron-Borys nimmt das Gespräch entgegen, hört zu, notiert. Am anderen Ende der Leitung eine Frau, die kurzfristig eine Hilfe im Haushalt benötigt. Nach dem Telefonat bespricht Jolanta Baron-Borys den Fall mit Gabriele Hüffmeier. Nach kurzer Überlegung und einem weiteren Telefonat ist einer der rund 50 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Initiative „Gemeinde in Kontakt“ für den Fall gefunden. Der Frau kann also geholfen werden.

„Gemeinde in Kontakt“ ist eine Nachbarschaftsinitiative der evangelischen Martini Kirchengemeinde in Bielefeld Gadderbaum. Das Prinzip ist einfach: Menschen bieten Hilfe an, Menschen suchen Hilfe. Jolanta Baron-Borys und Gabriele Hüffmeier bringen beide Seiten miteinander in Kontakt.

Menschen bieten Hilfe an, Menschen suchen Hilfe

„Zündfunke für die Initiative war eine Mitgliederbefragung der Gemeinde im Jahr 2000 und die damit verbundene Leitbilddiskussion in der Gemeinde“, erzählt Pfarrer Hans Große. Schnell stellte sich heraus, dass es eine große Nachfrage nach einem niedrigschwelligen diakonischen Angebot neben der professionellen diakonischen Hilfe in der Gemeinde gab, erklärt der Pfarrer. Viele Menschen in der Gemeinde wünschten sich Unterstützung und praktische Hilfe im Alltag oder mehr Kontakte und Gesellschaft. Im Einklang mit dem Motto der Gemeinde „miteinander – füreinander - jung und alt – gemeinsam“ initiierte im Jahr 2002 die damalige Presbyterin Barbara Laß die Nachbarschaftsinitiative „Gemeinde in Kontakt“. Die Idee dahinter war ganz einfach: Es gibt Menschen in der Gemeinde, die Unterstützung und praktische Hilfen im Alltag benötigen oder sich über Kontakte und Gesellschaft freuen würden - Wir bringen sie mit anderen zusammen, die praktische Unterstützung und Hilfen anbieten und/oder ebenfalls Kontakt und Gesellschaft suchen. Jeder und jede kann mitmachen - die Kontaktpartner regeln untereinander den zeitlichen Einsatz, die Art und Weise, ob es unentgeltlich geschieht oder gegen eine kleine Anerkennung.

Gemeinsam mit den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen Indrid Frentzel-Stahlschmidt und Ute Sattler nahm „Gemeinde in Kontakt“ die Arbeit auf. Seither gab es 99 Anfragen von Menschen, die Hilfe suchen. Mittlerweile engagieren sich 50 Ehrenamtliche bei „Gemeinde in Kontakt. Ob Autofahrten zu Arztbesuchen, Einkaufshilfen, Kinderbetreuung, Entlastung pflegender Angehöriger oder Hilfe im und am Haus: die Nachfrage bestimmt das Angebot. Ob Rentnerinnen und Rentner, Studierende oder arbeitslose Menschen, jeder kann sich engagieren. So bietet ein pensionierter Rektor Hausaufgabenhilfe an. Nicht umsonst. Die kleine Anerkennung die er bekommt, spendet er der Gemeinde für ihre Arbeit. Vorraussetzungen sind die Bereitschaft, sich sozial zu engagieren, die Freude am Umgang mit anderen Menschen, Zuverlässigkeit und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Getreu dem Motto der Gemeinde „miteinander – füreinander – jung und alt – gemeinsam“. Gabriele Hüffmeier und Jolanta Baron-Borys, die sich seit 2003 und 2005 im Team engagieren, legen Wert auf die Feststellung, dass das Angebot von „Gemeinde in Kontakt“ zwar an das Gebiet der Martini-Gemeinde gebunden ist, „aber wir fragen nicht nach Konfessions-, Religions- oder sonstiger Zugehörigkeit“.

Manchmal benötigen auch diejenigen Hilfe, die selber Hilfe anbieten, weil sie zum Beispiel erkrankt sind. „Jeder nimmt etwas Positives mit und es haben sich durch die Initiative schon tiefe Freundschaften entwickelt“, weiß Gabriele Hüffmeier. Eine Frau, die vor zwei Jahren an beiden Knien operiert wurde, erzählte ihr die Geschichte: „Plötzlich war alles ganz anders. Ich konnte nichts mehr machen und merkte, dass mein Mann mit dem Haushalt überfordert war. Durch den Gemeindebrief wurde ich auf das Projekt ‚Gemeinde in Kontakt’ aufmerksam. Der erste Anruf damals hat mich Überwindung gekostet. Ich suchte eine zuverlässige Haushaltshilfe. Durch ‚Gemeinde in Kontakt’ wurde mir eine nette, treue und sympathische junge Studentin vermittelt. Meinen Knien geht es wieder besser. Wir machen den Haushalt zusammen, nebenbei unterhalten wir uns über vieles, trinken Kaffee und freuen uns über jede gemeinsam verbrachte Stunde. Ach ja, im Herbst hat die Studentin geheiratet. Ich war bei der Hochzeit und habe meiner neuen Freundin an diesem für sie wichtigen Tag alles Gute für die Zukunft gewünscht.“

Kontakt

Jolanta Baron-Borys und Gabriele Hüffmeier sind donnerstags von 10.30 bis 12 Uhr im Gemeindebüro, Pellaweg 4, und telefonisch unter (0521) 14 04 97 zu erreichen.